Rechtsanwalt Ciobanu | Yorckstraße 11, 30161 Hannover

Rechtsformen

 
 

Rechtsformen


Die Rechtsform ist die Grundlage allen selbständigen, wirtschaftlichen Schaffens und Handelns eines Unternehmens. Je nach Wahl der Rechtsform, richten sich die Rechte und Pflichten des Unternehmens bzw. der rechtliche Rahmen binnen dessen das Unternehmen sich bewegen darf und kann.

Besondere Bedeutung kommt der Rechtsform bezüglich der steuerlichen und ordnungsrechtlichen Pflichten, der juristischen Handlungsfähigkeit und den Grenzen des Agierens auf dem freien Markt zu.


 

Was ist eine Rechtsform?


Das Wort Rechtsform ist in keinem Bundesgesetz legal definiert, sodass es an klaren Beschreibungen fehlt und doch hat sich der Begriff durch mündliche Verwendung etabliert.

Die Wahl der Rechtsform erfolgt einmalig mit Unternehmensgründung, muss dem Finanzamt, der Industrie- und auch der Handelskammer gemeldet werden und bleibt bis zur Auflösung des Unternehmens mit allen Privilegien und Lasten bestehen. Die Rechtsform regelt dabei wichtige Fragen hinsichtlich der Rechte und Pflichten der Verantwortlichen.

Beispielsweise kann dies das Verhältnis von Gesellschaftern untereinander betreffen, Regelungen bzgl. der Weisungsrechte und Ermessens- bzw. Entscheidungsspielräume betreffen oder Grenzen und Rahmen der Haftung bestimmen. Haftung in dem Sinne, ob lediglich das Betriebsvermögen oder auch das Privatvermögen im Schuldenfall angetastet werden kann.


 

Einzelkämpfer vs. Gesellschaft


Ein grundsätzlicher Unterschied bei der Vielzahl von Möglichkeiten, die das deutsche Recht bietet, ist die Ausgestaltung der unternehmerischen Tätigkeit als Einzelperson oder Gesellschaft. Entscheidend hierfür, ist man alleine und vollverantwortlich tätig oder handelt es sich um ein Team bzw. das Vorhaben mehrerer Personen.

Mögliche Rechtsformen für die Gründung eines Unternehmens als Gesellschaft unterteilen sich im Wesentlichen in die Personen- und Kapitalgesellschaften. Während bei den Kapitalgesellschaften das Hauptaugenmerk insofern auf dem Kapital liegt, als dass jeder Unternehmer nur mit dem Betrag bürgen muss, den er auch in das Unternehmen eingebracht hat, haften Angehörige von Personengesellschaften als Preis für Ihre höhere Flexibilität teilweise unbeschränkt, d.h. über das Kapital hinaus auch mit ihrem gesamten Privatvermögen.

Selbständige Einzelpersonen können hingegen zwischen einem Gewerbebetrieb in wieder unterschiedlich ausgestalteten Rechtsformen oder bei bestimmen Qualifikationen auch der Ausübung eines freien Berufes (Freiberufler) wählen. Als Selbständiger differenzieren sich die Alternativen angefangen beim Kleingewerbetreibenden über den eingetragenen Kaufmann bis hin zur Ein-Personen-GmbH weiter aus, wohingegen für Angehöriger aller freien Berufe die Form des Freiberuflers zulässig ist.


 

Welche Rechtsform ist die richtige?


Bei der Wahl der Rechtsform spielen unzählige Faktoren eine wichtige Rolle, von denen keine unterschätzt werden sollte. Ein Unternehmen gründet man nicht eben mal am Wochenende. Scheuen Sie sich deshalb nicht und holen Sie sich so früh wie möglich fachkompetente Beratung durch einen auf Gesellschaftsrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Im Nachfolgenden werde ich versuchen Ihnen einige Denkanstöße zu geben und aus meiner Erfahrung heraus aufzuzeigen, welche Fragen Sie sich stellen sollten und worauf es später wirklich ankommt.


 

Die Personalfrage: Wie viele Personen sind (an der Gründung) beteiligt?


Diese Frage stellt sich als erstens und ist ureigen für das weitere Prozedere. Möchten Sie sich alleine selbständig machen oder haben Sie einen Partner, agieren womöglich schon als Gespann mehrerer Leute?

Möchten Sie sich vollverantwortlich und allein selbständig machen, sind Sie Einzelunternehmer und starten hier, gesetzt dem Fall Sie sind Angehöriger der freien Berufe, als Freiberufler oder wählen zwischen den Formen des Einzelunternehmens.

Im weiteren Verlauf können Sie hier entweder weiterhin alleine Ihren Weg beschreiten oder auch Mitarbeiter einstellen. Erreichen Sie eine gewisse Größe oder einen gewissen Umsatz, kann die Gründung einer anderen Rechtsform sinniger sein.

Beginnen Sie hingegen direkt mit einem Partner oder einem ganzen Team, ist die Gründung einer Gesellschaft ein sinnvoller Weg. Als OHG oder GbR beispielsweise sind alle zu gleichen Teilen beteiligt, berechtigt und verpflichtet.


 

Die Führungsfrage: Wer übernimmt die Leitung des Unternehmens?


Sollten Sie als Einzelperson tätig sein, stellt sich die Frage für Sie nicht. Dann haben Sie selbst das Zepter in der Hand, tragen die volle Verantwortung und entscheiden allein. Sind jedoch zwei oder mehr Personen beteiligt, ist es unerlässlich sich Gedanken über den formalen Aufbau des Unternehmens, Hierarchien und Weisungsbefugnisse zu machen.

Während die Personengesellschaften ein sehr freies und agiles Handeln jedes Beteiligten ermöglichen, werden die Gesellschafter von Kapitalgesellschaften durch den Gesellschaftervertrag oder der Geschäftsordnung in ihrem Handeln eingeschränkt. Hier bedarf es sodann formeller Gesellschafterbeschlüsse und Abstimmungen. Die Aktiengesellschaft geht noch einen Schritt weiter und stellt mit ihren zahlreichen Organen und Einheiten ein ausbalanciertes Entscheidungsfindungs-, -ausführungs- und Kontrollsystem dar.


 

Die Geldfrage: Wie viel Kapital steht zur Verfügung und soll eingebracht werden?


Je nach Menge des freien Kapitals und der Bereitschaft dieses einzubringen, eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten. Als Einzelunternehmer oder Beteiligter von Personengesellschaften ist keine Einlage als Minimum vorgeschrieben, mithin auch nicht notwendig. Hier kann also ein schneller und risikoaverser Start am Markt realisiert werden.

Bei Kapitalgesellschaften bedarf es genuin eines Mindestkapital. Dieses variiert je nach Gesellschaftsform. Während das Eigenkapital bei einer GmbH mindestens 25.000€ beträgt, werden bei einer Aktiengesellschaft schon 50.000€ fällig.


 

Die Haftungsfrage: Wer haftet und bis zu welcher Höhe wird gehaftet?


Bei der Haftung handelt es sich um die wesentlichste, wenn nicht die wichtigste und ausschlaggebende Frage bei der Wahl der Rechtsform. Hier legen Sie genau fest, wer bis zu welcher Höhe haften muss. Dafür sollte man sich Vorhinein die Frage stellen, welches Risiko eingegangen wird und welcher finanzielle Verlust im Ernstfall maximal zu verkraften ist.

Als eingetragener Kaufmann oder Einzelunternehmer haften Sie bei einer geschäftlichen Fehlentscheidung im Zweifel mit Ihrem gesamten Vermögen, sodass auch die Pfändung Ihres Hab und Gutes sowie die Privatinsolvenz mögliche Konsequenzen sind.

Andere Gesellschaftsformen wie z.B. die GmbH fordern zwar ein höheres Investment zu Beginn, beschränken Ihre Haftung im Ernstfall jedoch ausschließlich aufs Gesellschaftsvermögen.


 

Die Zeitfrage: Welche Formalitäten fallen an?


Einige Rechtsformen sind sofort gegründet, andere bedürfen mehr Planung. Als Einzelunternehmer haben Sie den unkompliziertesten Weg und brauchen lediglich eine Steuernummer. Diese beantragen Sie beim Finanzamt und können sogleich schöpferisch tätig werden. Als Kleingewerbetreibender können Sie sogar bis zu sechs Wochen nach der ersten erbrachten Dienstleistung noch ein Kleingewerbe anmelden.

Sind Sie hingegen bestrebt eine Kapitalgesellschaft zu gründen, gilt es so manch formal-bürokratische Hürden zu nehmen und die entsprechenden Verfahrenszeiten einzuplanen. Dies ist wiederum mit weiteren Kosten und Ausfallzeiten verbunden, sodass ein finanzieller Puffer bereitgehalten werden sollte. Ferner sollte auch der laufende bürokratische Aufwand in Form der Bilanzierung und Vollständigkeit der Handelsbücher und die damit verbundenen Kosten nicht außer Acht gelassen werden.


 

Die Kostenfrage: Wie hoch ist die steuerliche Belastung?


Das Dasein als Unternehmer bringt leider nicht nur Geld ein, sondern kostet auch entsprechend. Auch die Frage der Gesamtkosten und laufenden Kosten sowie Steuern und Abgaben sollte im Vorfeld mit Weitsicht überdacht werden. Das Durchrechnen verschiedener Szenarien mit einem Steuerberater ist empfehlenswert, da es zu teils erheblichen Abweichungen kommen kann.

Während bei Personengesellschaften die Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Einkommenssteuer relevant sind, fallen bei Kapitalgesellschaften auch Körperschafts- und Kapitalertragssteuern an. Bei Einzelunternehmern ist dies wieder von weiteren Faktoren abhängig. Beispielsweise sind Kleinunternehmer bis zu einer bestimmten Freigrenze im Jahr von weiteren gewerblichen Steuern befreit.


 

Überblick: Welche Rechtsformen gibt es?


Zusammenfassend, nach deutschem aber auch europäischen Recht existiert eine Fülle von verschiedenen Rechtsformen, die allesamt Ihr Vor- und Nachteile mit sich bringen. Entscheidend ist es, eine klare Perspektive zu haben und die oben aufgeführten Fragen vorab zu berücksichtigen. Hierfür kann es erforderlich sein, sich die Einschätzungen und Meinungen anderer Akteure einzuholen.

Gern berate ich Sie ausführlich, fachkompetent und individuell zu den passenden Rechtsformen für Ihr Vorhaben. Während ein Einzelunternehmen schnell gegründet ist, gilt es bei der Gründung von Gesellschaften zahlreiche Gesetze, Vorschriften und weitere Formalitäten zu beachten. Damit Sie sich jedoch vollends auf Ihr Unternehmen und Ihren Start in Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit konzentrieren können, übernehme ich gerne die Gründung und Konstituierung Ihrer Gesellschaft und leite alle entsprechenden Schritte dafür ein.


 

Abschließend habe ich Ihnen eine Übersicht aller gängigen und möglichen Rechtsformen des deutschen und europäischen Rechts zusammengestellt:

Einzelunternehmen

  • Eingetragener Kaufmann
  • Freiberufler
  • Ein-Personen-GmbH
  • Ein-Personen-AG
  • Kleinunternehmer
  • UG (haftungsbeschränkt)

  • Personengesellschaften

  • GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts)
  • OHG (Offene Handelsgesellschaft)
  • KG (Kommanditgesellschaft)
  • GmbH & Co. KG (Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft)
  • GmbH & Co. OHG (Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Offene Handelsgesellschaft)
  • StGes (Stille Gesellschaft)
  • PartG (Partnerschaftsgesellschaft)
  • UG & Co. KG (Unternehmergesellschaft & Compagnie Kommanditgesellschaft)

  • Kapitalgesellschaften

  • AG (Aktiengesellschaft)
  • GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
  • gGmbH (gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung)
  • UG (Unternehmergesellschaft)
  • UG (haftungsbeschränkt)
  • gUG (gemeinnützige Unternehmergesellschaft)
  • KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien)

  • Sonstiges

  • Stift. (Stiftung)
  • eG (eingetragene Genossenschaft)
  • VVaG (Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit)
  • Ltd. (Limited)
  • Ltd. & Co. KG (Limited & Compagnie Kommanditgesellschaft)
  • Gelegenheitsgesellschaft

  • Europäische Gesellschaftsformen

  • EWIV (Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung)
  • SE (Societas Europaea)
  • SCE (Societas Cooperativa Europaea)

  • Weitere Informationen zu den jeweiligen Gesellschaftsformen finden Sie in dem Beitrag: Gesellschaftsformen. Als Einzelunternehmer empfehle ich den Beitrag: Einzelunternehmen.


     
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